Loch im Kopf

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Loch im Kopf

Lamborghini Urus – Friss´ meinen Staub

Den Wochenendeinkauf kann man mit ihm machen. Oder den Ausflug mit den Kids plus Gepäck. Alles kein Thema. Aber eigentlich will man für sich allein haben. Mal die A7 mit 300 runter kacheln und später ein paar Kilometer Landstrasse, mit ordentlich Lenkarbeit. Und dann noch ein Feldweg zum Aufwirbeln. Wir haben das mal ausprobiert.  

Kiel und Umgebung, 2018

Und plötzlich biegt er ab. Auf den Feldweg. Er gibt Vollgas, die Staubwolke hinter ihm wächst sich zu einer Staubwand aus. Aussichtslos. Abbrechen. Der Fluchtwagen ist weg, verschluckt, verschwunden. Mit ihm unterwegs: Vier schwere Jungs plus zwei Säcke mit Bargeld. Polizeiberichte können auch spannend sein. Im Passat einem Urus auf den Fersen. Kurz nur und heftig. Ein Gesprächsthema für die Umkleide beim Schichtwechsel. 

Die Polizei war wirklich hinter uns her. In aller Ruhe und mit der Portion Neugier ausgestattet, die ein Polizeibeamter, der sich für Autos interessiert, auch im Dienst ausleben kann. Wir halten in einer Parkbucht, der Peterwagen hält hinter uns, zwei Herren steigen aus und grinsen. Man habe den Wagen noch nie gesehen, ob das der Lambo für´s Grobe sei. Und dann die italienischen Kennzeichen. Ob man ein paar Fotos machen dürfe. Man durfte, natürlich. Der blaue Urus glänzt in der Sonne des Nordens und später dann, beim Schichtwechsel. 

Lamborghini Urus – Spiel mit den Zahlen

Ein paar Zahlen wollte man noch wissen. Top Speed? 305. 0-bis 100? 3,6 Sekunden. Gewicht? 2.197 Kilo. Aha. Und der Sound? Kurz den Gasfuß gesenkt und zwei Dinge gelernt. Erstens: Polizeibeamte sind manchmal auch Auto-Fans und zweitens: Der Urus entspricht vollständig den hiesigen Verkehrsregeln. Vor allem dann, wenn man den Wagen cool durch die Stadt laufen läßt. Also ohne Gebrabbel. 

Lassen wir die Ordnungshüter ihren Job erledigen. Der Urus will los. Raus aus der Stadt, hinauf auf die A7. Hamburg Richtung Hannover, ein Teilstück. 3 Spuren pro Richtung, kein Limit und wir haben Glück. Fast nix los. Der Italiener spaziert anfangs mit 80 auf der rechten Spur, dann Ausgangs einer langen, offenen Rechtskurve dann die Flagge zum Start. Schwarze Linien auf weißem Grund, der eben noch neben uns rollende PKW verschwindet im Rückspiegel, die mittlere Spur verwandelt sich in eine Sicherheitszone, weiter vorn kommt eine leichte Steigung in Sicht, die digitale Anzeige spielt mit der Zahl 290, die 300 zuckt kurz auf, wieder 299 und dann für einen Wimpernschlag 306. 

Während der letzten Minuten war der Fahrer sehr fokussiert, der Seitenwind war hier und da ein Thema, aber der Urus blieb sehr standhaft. Kein Wackeln, keine Unruhe, abgesehen vom Motor und der Abgasanlage. Beide holten raus, was man von einem V8 mit Turboaufladung erwarten darf. An den Füssen spürt man die begeisterte Arbeit der Reifen. Von Pirelli speziell entwickelte Pneus, deren Aufgaben klar definiert sind: Grip aufbauen und halten und Fahrkomfort durch sauberen Abrollen garantieren. Beides erledigen die P-Zeros mit eindrucksvoller Routine. Und der Sound? Kräftiges Fauchen, bei niedrigen Drehzahlen das obligatorische Brummen, ganz weit oben dann, ab 6500 Touren, die Kampfschrei des Urus. Laut, klar und unmissverständlich. Dem Design dieses Italieners angemessen. 

Beim Thema Design schauen wir uns zunächst das Blechkleid an. Der Urus ist grundsätzlich sofort als Lamborghini erkennbar. Nicht an seiner Haltung, die fast aufrecht stehenden Nase, die Bodenfreiheit und das Coupé-Heck, sind obligatorisch. Aber der Charakter des Urus ist ihm ins Gesicht geschnitten. Die in kleine Wagen geschnittene Lüftung direkt unter den schmalen Frontleuchten, der hervor schauende, silbern glänzende Unterbodenschutz und weiter hinten, der Diffusor, als ordnende Einheit für die Luft, die unter dem Wagen bei Tempo 300 am Heck entlang läuft und deren Verlauf technisch sortiert werden muss. Für jeden Rennwagen sind solche Anbauten zwingend notwendig. Was mit den enormen Kurvengeschwindigkeiten zusammenhängt. Der Urus lief mit 300 durch eine sehr lange und sehr weite Kurve und das machte er ausgesprochen ruhig, souverän und ohne Zicken. 

Im Innenraum haben wir zunächst über die sehr ausgeprägte Lust der Designer an Knöpfen, Schaltern und anderen Einstelldingen gestaunt. Vor allem die Mittelkonsole ist eine echte Technik-Insel. Der Pilot ins uns hat seine wahre Freude. In der Mitte ein gewaltiger Startknopf, beschützt durch eine rote Klappe. Als wolle man eine Rakete in die Luft bringen, links und rechts daneben die beiden, nicht weniger wuchtigen, Hebel zur Konfiguration des Fahrmodus und der Fahrwerkseinstellung. Weiter oben das Klima und darüber der Kontrollmonitor. Vor dem Alcantara-Leder-Steuer der digitale Monitor zur Kontrolle aller wichtigen Fahrinformationen. Das alles wirkt auf den ersten Blick recht komplex, man könnte ob der Informationen leicht überfordert sein, aber der Lamborghini ist kein Hexenwerk. Es sind eher seine Kräfte und Fähigkeiten. 

Wollte man den Urus in eine Schublade fahren, es würde ein wenig Hirnschmalz und Erfahrung benötigen. Bei Lamborghini hat man das entsprechende Markenumfeld beobachtet und erkundet. Da wären die üblichen SUV der obersten Preiskategorie plus die SUV-Coupés der obersten Leistungsklasse. Und dann ist da noch eine Zielgruppe, der es nicht stark, schnell und auffallend genug sein kann. Nun kann man einen Serienwagen kaufen, ihn in eine spezielle Werkstatt fahren und dort ein wenig Kraftfutter in Form von Mechanik und/oder Chip-Nahrung in den Wagen einbauen lassen. Aus 400 PS werden dann schon mal 700 Pferde. Ein paar Anbauten, ein wenig Spoiler-Difussor-Flügel-Werk plus tiefer, breiter, glänzender. Fertig ist der Non-Plus-Ultra-Einzelstück-Über-Drüber-SUV, den man dann auf YouTube rund um die Welt schickt. Das alles kann man machen. Muss man aber nicht.

Den Urus muss man nicht zwangsläufig zum glänzen bringen. Vermutlich ist sein Auftritt allein schon auffallend genug. Schwierig wird es dann, wenn weitere Urus-Exemplare auf der gleichen Weide grasen, dann greift mancher Besitzer gerne zum bunten Hut, mit dem der Aur-Ochse dann unterwegs ist. Pfingsten soll das ganz besonders beliebt sein. Aber im Ernst. Der Urus ist sicher kein Automobil für den kleinen Sonntags-Ausflug zwischendurch. Er ist eher die Symbolfigur des derzeit machbaren, wenn man E-Mobilität als nicht praktikabel einstuft. Schneller, klarer, eindeutiger kann man derzeit zwischen Stadt, Land und Fluß nicht unterwegs sein. 

Die technischen Daten (laut Hersteller):

Lamborghini Urus

Motor: V8 BiTurbo

Hubraum: 3.996 ccm

Leistung: 478 kW / 650 PS bei 6.000 U/min

Drehmoment: 850 Nm bei 2.250 bis 4.500 U/min

Antrieb: Allrad

Getriebe: 8-Gang Automatik

Maße:

Länge: 5.112 mm

Breite: 2.106 mm mit Spiegel

Höhe: 1.638 mm

Radstand: 3.003 mm

Bodenfreiheit: 158 bis 248 mm 

Leergewicht: 2.197 kg

Leistungsgewicht: 3,38 kg/PS

Tank: 85 l

Gepäckraum: 616 bis 1.596 l

Fahrleistungen:

0-100 km/h: 3,6 s

0-200 km/h: 12.8 s

Top Speed: 305 km/h

Verzögerung: 100 km/h bis 0: 33,7 m

Verbrauch nach EG-Richtlinie 715/2007

kombiniert: 12,3 l /100 km

CO2: 279 g/km

Preis in Deutschland ab: 171.429,00 Euro ohne Steuer

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Ballsaison in Wien

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Ballsaison in Wien

Rolls-Royce Wraith: Outstanding

Wolfgang Amadeus schaut zum Himmel und zählt die Sterne. Bei eintausend hört er auf, draußen ist es schon lange hell. Die Gassen hier in Wien sind zu Adern des modernen Lebens geworden, vor ein paar Stunden schlenderte man vielleicht noch von einem Ball zum nächsten. Die Tanzschuhe vom ewigen Walzer noch lauwarm, ein Rest von Champagner kitzelt den Gaumen und der erste Braune gesellt sich dazu. Die rote Tram übt sich in Nostalgie und ziert das Regierungsviertel. Dazwischen ein ganz besonderes Gefährt. Zu Besuch wie es scheint. Ein Brite. Ein ganz besonderer Brite.  

Wien, am frühen Morgen,2013

Der Fotograf auf dem Motorrad swingt zwischen den Ins-Büro-Fahrern hin und her. Wien ist morgens um acht voller Menschen und Autos. Der Wraith würde nicht weiter auffallen. Ein großes Coupé mit gelben Kennzeichenschildern. Wäre da nicht dieser Duft aus britischer Lässigkeit und weltmännischer Coolness, mit der sich dieser brandneue Rolls-Royce wie eine unsichtbare Wolke umgibt und die ihn von allen anderen Autos abhebt, ihn trägt und fast schweben lässt. Ein Flakon, 5,2 Meter lang, 1,5 Meter hoch und problemlos imstande, seine Umgebung mit einem Augenzwinkern für einen langen Augenblick aus dem Trott der täglichen Tour zur Arbeit zu entreißen. Man sitzt in der Tram, die Tageszeitung spendet kaum Energie für die nächsten Minuten und vor dem Fenster ein wenig tiefer bewegt sich eine Gestalt in aller Ruhe durch den Berufsverkehr als wäre die Straße eine Bühne.

Kurz vorher, eine ruhige Seitenstrasse direkt vor dem Eingang zum Hotel Palais Coburg, Wiens diskret-exklusivem Nobel-Hotel, stehen zehn Wraith und warten auf Geraden, Kurven und neugierige Menschen. Wie ein Rudel der schönsten Rassehunde haben sich auf dem Platz vor dem Portal versammelt und lassen sich geduldig und ein wenig stolz ablichten, anschauen, streicheln und auf Kamera-Chips nach Hause tragen. Nach einer Stunde ist die Show vorbei. Ein Coupé nach dem anderen rollt davon, erst durch den dichten Wiener Verkehr, dann raus aufs Land. 

Die erste Übung: Slalom im Berufsverkehr und Schussfahrt auf der Autobahn

Zwischen den Ampel-Stopps bewegt man das feine Volant wie einen Taktstock, die mehr als 2,3 Tonnen lassen sich mühelos und mit guter Übersicht dirigieren. Der Wraith ist natürlich kein Kleinwagen, aber die Strassen Wiens haben sich mit dem eleganten Briten sehr schnell auf einen Rhythmus geeinigt. Wir schwofen hinaus auf die Stadtautobahn, der Fuß senkt sich rapide und die Spirit of Ecstasy neigt sich neugierig in die Höhe, bei Tempo 150 endet der sehr kurze Sprung nach vorn, Radarfallen mag auch ein Rolls-Royce nicht besonders gern. Beeindruckend ist, dass die 632 PS und das gewaltige Drehmoment von 800 Newtonmeter dem Coupé einerseits für einen kurzen Moment Waftability und Sportlichkeit ganz nah aneinander rücken und andererseits die Insassen keine Ängste um ihre Contenance haben müssen. Genau das ist die Essenz des Wraith: Er ist der sportlichste und gleichzeitig der typischste Vertreter derer von Rolls-Royce.

Die zweite Übung: Langstrecke im Dreivierteltakt

Der Wraith ist ein GT, ein Gran Tourismo. Lange Strecken und immer ein wenig mehr Kraft als nötig. Auf Landstrassen mit langen, offenen Kurven spielt der Fastback aus Goodwood seine besten Karten aus. Das Fahrwerk setzt den Briten satt und außerordentlich sicher auf den Asphalt, das Getriebe arbeitet nicht, es dirigiert die acht Gänge stilsicher. Der Zwölfzylinder in Kooperation mit den beiden Turboladern läuft sauber und lässig, Wind- und Abrollgeräusche sind vorhanden, drängen sich aber nicht in den Vordergrund. Dafür präsentiert sich die exzellente Audioanlage als perfekter Unterhalter, das Navi arbeitet schneller und sicherer als jeder Beifahrer und der Sternenhimmel über uns lässt keinen Zweifel an der Tatsache, dass man auf Schiebedächer auch ganz gut verzichten kann. 

Ein Fazit: In der Tat ein besonderer Rolls-Royce

Nach gut 400 Kilometer stehen wir neben dem prachtvollen Coupé. Nach vielen Fahrten in allen Modellen von Rolls-Royce ist die Anmerkung auf die besondere Position des Wraith recht eindeutig nachvollziehbar. Der jüngste Sproß aus Goodwood ist eine Besonderheit. Dank seines Designs, seiner Motorisierung und seiner Strahlkraft, die man zur Zeit auf unseren Straßen nur in diesem Coupé finden kann.

Fotos: Rolls-Royce Motorcars

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Black Night in Berlin

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Black Night in Berlin

Rolls-Royce Black Badge – Black Night in Kreuzberg

Raymond Chandler könnte die Geschichte geschrieben haben. Eine Nacht in Berlin, es regnet, es schimmert, aus den Gullydeckeln steigt weißer Rauch auf und flutet den Asphalt, ein paar Neonröhren blinken hilflos in die Nacht. Irgendwo in einer dunklen Gasse steht ein einsamer Trompeter und dann rollt ein sehr, sehr dunkler Rolls-Royce ins Bild.  

Berlin, ein verregneter Abend 2011

Die Titelmelodie des Films „Chinatown“ aus den 70ern wäre passend. Terence Blanchard, einer der ganz großen Jungs aus New Orleans, treibt diese Art Töne aus seiner Trompete, die soviel Stimmung erzeugen, wie man sie kaum aushalten kann. Der Black Badge aus Goodwood rollt ins Bild. Die Kühlermaske duscht im Berliner Regen. Die Lady darüber ist cool. Black Lady, im Schimmer der Nacht, das Kleid fast unanständig durchnässt, jeder Regentropfen eine Warnung. Und aus dem Off spricht Phillip Marlowe: „ Es war eine dieser typischen Berliner Nächte. Nass, kalt und in der Luft hing diese spezielle Stimmung. Es sollte etwas passieren.“ 

Angefangen hatte alles vor dem Hotel „Das Stue“. Jenes Hotel, dass vor allem nach Einbruch der Dunkelheit von seltsamen Tönen umgeben ist. Tierstimmen. Vögel, Nachtschwärmer mit Katzenaugen, hier und da schreit ein Esel. Der Tierpark und das Hotel sind Nachbarn. Der Ghost steht vor dem Eingang. Der Doorman schaut sich um. Eine letzte Zigarette, kleine Glutfunken tanzen. Dann öffnen sich die Pforten. Hinein in die Nacht, hinein in die Kreuzberger Nacht. Dieses Bild ist so selbstverständlich wie ein Trenchcoat in einem echten Chandler-Roman. 

Rolls-Royce Ghost Black Badge – Der Chauffeur kennt den Weg

Black Badge, so nennt Rolls-Royce sein derzeit farbigstes Kapitel. Black ist die Farbe und in Goodwood hat man selbst vor der Flying Lady nicht halt gemacht. Sie schimmert dunkel, ein wenig mystisch, vor allem, wenn der Berliner Regen die Dame begleitet. Und es steht ihr ausgesprochen gut. Der Himmel im Ghost zeigt eine sternklare Nacht, der Chauffeur kennt den Weg.

Kristof Mulack im Atelier Berlin. Er ist unser Gastgeber, er gewährt uns einen Einblick in die Gassen Kreuzbergs, von oben. Ein Diner in Black, Gin Tonic als Entree´, unten ein Trio Black Badge, wartend. Ein Filet, zu zart für ein Messer. Der Nachtisch, eine Sünde auf schwarzer Folie. Die Filterlose direkt am Geländer, der Blick nach unten als Gewissheit, dass die Reise noch nicht vorbei ist. Der Chauffeur wartet. Der Ghost, in seinem schwarzen Kleid, ist nun zuhause. 

Ein paar Strassen nur, links, rechts. Der Ghost folgt einer Spur. Im Regen Berlins tanzt die Dame auf ihrem Tempel durch Kreuzberg. Rita Lynch wartet. Noch eine Dame. Schön, elegant, gewandt und Eleanor Thornton nicht unähnlich. Die Bar Prinzipal, ein Kleinod am Strassenrand, eng, dunkel, mit diesem deutlichen Hauch an Verruchtheit plus exzellente Musik und dann ist da die Dame mit Straußenfedern, die so lässig in ihrem Stuhl von der Decke baumelt, fast wie ein bildschöner Paradiesvogel. Wer die Bühne weiter oben erklimmen will, berührt sie fast. 

Ein paar Stufen hinauf dann die Bühne für Rita und ihren Partner. Sie erscheint, als die ersten beiden Whiskey Sour dem Kopf ein Ständchen bringen und man fast geneigt ist, den Chauffeur zu fragen, ob er nicht den V12 in Lauerstellung bringen möchte. Das Highlight aber steht noch aus. Draussen geht dem Regen die Puste aus, kleine Pfützen spielen mit dem Laternenlicht und Raymond Chandler würde jetzt über diesen einen Moment etwas melancholisches schreiben. „Die Nacht über Berlin war nun endgültig angekommen, die ersten Nachtschwärmer tauschten die Bars, angebrannte Streichhölzer schwammen im Bach der Bordsteinrinne und Rita bewegte sich im fahlen Scheinwerferlicht wie eine betörende Motte. Die Jungs um sie herum stellten ihre Drinks auf die kleinen Holztische, die Augen auf ihre langen Beine und ihren sehr roten Mund gerichtet. Philip wusste, dass er an diesem Abend nur noch eins wollte.“ 

Rita hat ihren Tanz vollendet, Männeraugen hat sie bewegt. Und einige von uns haben auf der Fahrt ins Hotel den Sternenhimmel im Ghost studiert. Terence Blanchard spielt ein letztes mal, eine kurze Zigarette am Eingang. Dann verschwindet der Ghost in die Schwärze der Berliner Nacht.

Kristof Mulack im Atelier Berlin. Er ist unser Gastgeber, er gewährt uns einen Einblick in die Gassen Kreuzbergs, von oben. Ein Diner in Black, Gin Tonic als Entree´, unten ein Trio Black Badge, wartend. Ein Filet, zu zart für ein Messer. Der Nachtisch, eine Sünde auf schwarzer Folie. Die Filterlose direkt am Geländer, der Blick nach unten als Gewissheit, dass die Reise noch nicht vorbei ist. Der Chauffeur wartet. Der Ghost, in seinem schwarzen Kleid, ist nun zuhause. 

Ein paar Strassen nur, links, rechts. Der Ghost folgt einer Spur. Im Regen Berlins tanzt die Dame auf ihrem Tempel durch Kreuzberg. Rita Lynch wartet. Noch eine Dame. Schön, elegant, gewandt und Eleanor Thornton nicht unähnlich. Die Bar Prinzipal, ein Kleinod am Strassenrand, eng, dunkel, mit diesem deutlichen Hauch an Verruchtheit plus exzellente Musik und dann ist da die Dame mit Straußenfedern, die so lässig in ihrem Stuhl von der Decke baumelt, fast wie ein bildschöner Paradiesvogel. Wer die Bühne weiter oben erklimmen will, berührt sie fast. 

Ein paar Stufen hinauf dann die Bühne für Rita und ihren Partner. Sie erscheint, als die ersten beiden Whiskey Sour dem Kopf ein Ständchen bringen und man fast geneigt ist, den Chauffeur zu fragen, ob er nicht den V12 in Lauerstellung bringen möchte. Das Highlight aber steht noch aus. Draussen geht dem Regen die Puste aus, kleine Pfützen spielen mit dem Laternenlicht und Raymond Chandler würde jetzt über diesen einen Moment etwas melancholisches schreiben. „Die Nacht über Berlin war nun endgültig angekommen, die ersten Nachtschwärmer tauschten die Bars, angebrannte Streichhölzer schwammen im Bach der Bordstein-Rinne und Rita bewegte sich im fahlen Scheinwerferlicht wie eine betörende Motte. Die Jungs um sie herum stellten ihre Drinks auf die kleinen Holztische, die Augen auf ihre langen Beine und ihren sehr roten Mund gerichtet. Philip wusste, dass er an diesem Abend nur noch eins wollte.“ 

Rita hat ihren Tanz vollendet, Männeraugen hat sie bewegt. Und einige von uns haben auf der Fahrt ins Hotel den Sternenhimmel im Ghost studiert. Terence Blanchard spielt ein letztes mal, dann noch eine kurze Zigarette am Eingang. Dann verschwindet der Ghost in der Schwärze der Berliner Nacht.

Text: Ralf Bernert

Fotos: Tim Adler für Rolls-Royce Motorcars

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